Mikheil Chikhladze | Text

Die Male­rei von Mikheil Chikhlad­ze ent­zieht sich jeg­li­cher Kate­go­ri­sie­rung, auch wenn sich dem Betrach­ter der Blick durch ein Kalei­do­skop von Zita­ten der Kunst­ge­schich­te zu bie­ten scheint. In unbe­fan­ge­nem Umgang damit sind in sei­ner mit infor­mel­lem Duk­tus aus­ge­führ­ten Male­rei sur­re­al anmu­ten­de Sze­nen mit deut­lich nar­ra­ti­ven Dar­stel­lun­gen kom­bi­niert, die sich aller­dings, Chif­fren gleich, einer schnel­len Les­art ver­wei­gern. So ste­hen sich zum Bei­spiel in „Ohne Titel“ von 2014 ein hoch deko­rier­ter Mili­tär mit ein­deu­tig asia­ti­scher Phy­sio­gno­mie und eine auf ande­re Wei­se „seri­ös“ wir­ken­de männ­li­che Figur im Ober­hemd mit Kra­wat­te gegen­über: Stell­ver­tre­ter ihrer Syste­me, zwei­er Wel­ten? Die ver­hei­ßungs­voll zwi­schen ihnen einem Kano­nen­rohr (!) ent­wei­chen­de Alle­go­rie der Weib­lich­keit, scheint sie bei­de in ihren Bann zu zie­hen.

Der 1978 in Tiflis/Georgien gebo­re­ne Mikheil Chikhlad­ze arbei­tet emp­find­sam Erin­ne­run­gen an sei­ne Hei­mat, Aus­deu­tung von Befind­lich­kei­ten, aber auch gesell­schafts­kri­ti­sche Moti­ve sub­til und mit einem Spek­trum von fei­nem Humor bis hin zu schar­fen Kom­men­ta­ren in sei­ne Bild­wel­ten ein. Mit pasto­sem Farb­auf­trag bear­bei­te­te Lein­wand­flä­chen, las­sen wie­der­um fet­zen­haft Frag­men­te eines mehr­fach über­ar­bei­te­ten Ursprungs­mo­tivs durch die Mal­schich­ten durch­schei­nen. Der gesam­te Bild­raum ist in per­ma­nen­ter Bewe­gung. So sind auch die immer wie­der auf­tau­chen­den hori­zon­ta­len und ver­ti­ka­len Flä­chen und Lini­en nicht nur kom­po­si­to­ri­sches Stil­mit­tel; füh­ren sie doch ein­mal aus der Lein­wand her­aus und heben Bild­rän­der auf, bil­den sie bei einem ande­ren Motiv eine Umklam­me­rung, die Enge evo­ziert, oder ver­sper­ren den (Durch)Blick.

In der von Mikheil Chikhlad­ze ent­wickel­ten eige­nen Bild­spra­che, sei­ner uner­schöpf­li­chen Expe­ri­men­tier­freu­dig­keit, spürt man unmit­tel­bar die Mal­lust eines Künst­lers, dem der Umgang mit Flä­che und Far­be Impuls­ge­ber ist und nicht Mit­tel zum Zweck. Die trans­por­tier­ten „Bot­schaf­ten“, die sich offen­bar wie von selbst beim Ent­ste­hen her­aus zu bil­den schei­nen, fügen sich ver­hal­ten, ja gera­de­zu laut­los in die Gesamt­kom­po­si­ti­on ein, ohne ihre, vom Künst­ler inten­dier­te Inten­si­tät zu ver­lie­ren. Eine über die Far­ben ver­mit­tel­te Grund­stim­mung, greift er dabei ganz bewusst öfter wie­der auf.

Katha­ri­na Öster­rei­cher
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